Anlässlich der Situation mit dem Coronavirus bekomme ich einige Fragen der Art: „Wie soll ich es alles schaffen?“ oder „Die Unsicherheit der Situation macht mich fertig. Wie kann ich damit zurechtkommen? Ruhe und Gleichgewicht beibehalten?“
Genau die Fragen stelle ich mir oft und heute (26.03.) ist der Tag, an dem mich die Situation mit den Coronavirus-Einschränkungen einfach nervt. Ich bin heute zum Arzt gefahren und sah die menschenleeren Straßen in München. Ich vermisse grade das vorherige Leben und würde gerne wieder alles entspannt machen können. Ich möchte ganz normal wieder arbeiten, mit meinem Sohn frei spazieren gehen, keine Angst vor einer Türklinke oder einem Knopf im Aufzug haben, die ein hohes Risiko für meine Gesundheit haben könnten …
Gestern war ich wiederum ruhig, ausgeglichen und empfänglich. Die Corona-Lage hat mich in Hinsicht auf mein Leben gar nicht gestört. Ich und meine Familie haben ja unser Rhythmus im Alltag mittlerweile gefunden und uns darin schon friedvoll eingelebt.
Das ist auch in Ordnung für mich, dass es heute einen Tiefgang gibt und dass es an sich emotional unterschiedlich läuft. Es ist menschlich. Ich begrüße jeden emotionalen Zustand, es darf jeden Tag alles anders sein. Bloß keine Unterdrückung oder Wegschieben. Die unangenehmen Gefühle versuche ich mit ihren versteckten Botschaften zu entziffern. Die angenehmen Gefühle feiere ich.
Was hilft mir dabei?
1. Ein Empathie-Partner: Bei heutigem aufgedrehten emotionalen Zustand suche ich ein Gespräch mit meiner empathischen Partnerin. Das ist eine Person, die mir ihre 15-20 Minuten Zeit schenkt und mir einfach zuhört. Sie hilft mir eventuell die Bedürfnisse hinter den Gefühlen zu erkennen. Ich bekomme keine Lösungen geliefert, keine Ratschläge, kein Mitleid oder keine Moralpredigten was ich richtig, was ist falsch. Stattdessen höre ich: “Das ist in Ordnung, dass es dir so geht. Ich bin für dich da.” Einfach eine pure Akzeptanz und Aufmerksamkeit. Das ist für mich ein wahres Geschenk. Nach so einem Gespräch fühle ich mich meistens erleichtert, verstanden, gehört – oft sind es eben die Bedürfnisse, die befriedigt werden wollten. Gehört und gesehen werden sind nämlich oft die größten menschlichen Bedürfnisse, die aber auch oft im Alltag zu kurz kommen.
Dazu greife ich gerne nach den Werkzeugen der Gewaltfreien Kommunikation, die wunderbar unterstützen, im Kontakt mit sich selbst zu bleiben. Welche wären das?
2. Ein weiterer Empathie-Freund, der alles erträgt: Mein Notizbuch. Wenn ich keine Möglichkeit zum Telefonieren habe, nehme ich mein Notizbuch und lasse den Wolf (Symbol in der Gewaltfreien Kommunikation einer gewaltvollen Sprache) da raus. Ich schreibe ein paar Sätze nieder darüber, was mich nervt, was mich grade ankotzt. Das ist wichtig für mich, den Wolf eine Weile rauszulassen, er braucht so sehr meine Aufmerksamkeit. Nach ein paar Zeilen heißt es dann: atmen – spüren und die Giraffenohren (Giraffe – das zweite Symbol in der GfK, eine empathisch und verständnisvolle Sprache) aufsetzen. Ich suche nach den Gefühlen und Bedürfnissen bei mir.
Der Wolf sagt: „So ein Mist mit dem Coronavirus, einfach nur zum Kotzen! Mir reicht jetzt langsam, wie lange sollen wir noch diesen Zirkus mitmachen? Sollen wir nach zwei Monaten alle arbeitslos sein?“
Hier merke ich, dass ich mich im Bereich der Bewertungen bewege. Ich kann mich hier noch mehr reinsteigern und irgendwann vielleicht vor lauter Wut mir selber oder jemand anders einen Schaden anrichten. Das würde ich lieber verhindern. Lieber einen Halt machen ohne sich zu verletzen.
Dann übergehe ich zu einem weiteren Versuch: Gefühle und Bedürfnisse zu erkennen. Wenn ich mich höre: “Sollen wir nach zwei Monaten alle arbeitslos sein?” – was heißt das auf Bedürfniss-Ebene übersetzt? Gefühle: Ich bin beunruhigt, frustriert, weil mir eine gewisse Sicherheit wichtig ist. Diese fehlt mir jetzt!
Da bin ich schon zumindest näher dran, was für ein Bedürfnis mich grade beschäftigt. Ich brauche Sicherheit. Was ist denn genau diese Sicherheit? Geld, ein Dach über dem Kopf, ein voller Kühlschrank? Sicherheit, dass die Hilfe und Unterstützung immer da sind, wenn Notfälle eintreten? Ich suche da nach passenden für mich Antworten. Wenn ich es dann weiß, überlege ich die Strategien dazu. Diese gibt es dann viele.
3. Ein guter Start in den Tag und ein gutes Tagesende. Vor dem Schlafengehen und nach dem Aufstehen bin ich am empfindlichsten für meine Gedanken. Ein Überfluss von den negativen Gedanken überfällt mich leicht und war auch jahrelang ein idealer Anfang für Kopfschmerzen, Beunruhigung und viel Groll im Alltag. Was mache ich jetzt anders? Um gleich positiv in den Tag zu starten, lege ich mir einen Zettel mit drei Affirmationen neben Bett. Wenn ich aufwache, sehe ich sie sofort und damit fülle ich meinen Kopf. Das könnten sein: “Mein Leben ist wunderbar. Mein Leben ist einfach.”, “Das wird ein guter Tag. Ich habe so viele Möglichkeiten.”, “Ich bin jeder Aufgabe gewachsen. Ich vertraue mir selbst.” Das gibt mir wirklich Kraft und Hoffnung.
Um den Tag positiv zu beenden beschloss ich für mich, das Handy bereits um 20:00 Uhr in die Schublade reinzutun. Vor dem Einschlafen notiere ich mir ein paar dankbar Gedanken und zähle alles auf, was Gutes mir passiert ist. In Gedanken schicke ich viel Liebe, Gesundheit und Glück meinen Nächsten oder visualisiere ich mir meine Träume.
Was ich nicht mehr mache: Ich nehme mein Handy ins Bett und scrolle durch das Instagram oder Facebook. Ich lese keine Nachrichten.
4. Noch eine Idee für den guten Tagesstart: Morning Pages – Idee von Julia Cameron. Das einfachste Werkzeug auf der Welt: ein Stift, ein Notizbuch, ein längerer Augenblick für sich selbst jeden Morgen (auch wenn es nur darum geht, 30 Minuten vor dem Kind aufzustehen). Es geht darum, den Gedankenfluss auf das Papier niederzuschreiben. Ich schreibe alles, was in meinem Kopf auftaucht: Ideen, Pläne, Inspirationen, Listen, Bedenken. Es werden täglich drei Seiten geschrieben. Das mache ich immer wieder, meistens wenn ich spüre, dass ich von verschiedenen Ideen, Sorgen, Gedanken überfüllt bin. Das Schreiben dauert ca. 30 Minuten, das schaffe ich wohl nicht jeden Morgen.
5. Affirmationen nach Louise Hay – die Expertin der positiven Einstellung. Ihre Botschaft war ganz einfach: Wir gestalten mit unseren Gedanken selbst unsere Lebenswirklichkeit. Louise sagte: „Jeder Gedanke, den wir denken und jedes Wort, dass ich ausspreche, ist eine Affirmation.“ Wir erschaffen selbst unsere Realität eben durch unsere Gedanken. Ich schreibe mir für jeden Tag eine, zwei Affirmationen, die mich dann durch den Tag begleiten. Ich wiederhole sie möglichst oft oder singe sie. Ich praktiziere es seit November 2019 und es ist wirklich kraftvoll!
Außerdem habe ich folgende Regeln für mich persönlich in der Coronavirus-Zeit aufgesetzt:
1. Weniger ist mehr – ich beschränke die Mediennutzung auf einmal pro Tag und nutze nur ausgewählte, glaubwürdige Kanäle.
2. Ich mache das, worauf ich einen Einfluss habe – Gestaltung des Alltags mit der Familie, Schutz vor der Ansteckung.
3. Ich bin hier und jetzt – das Handy liegt oben auf dem Regal, alle 3-4 Stunden mache ich einen Giraffen-Check (ich frage mich, wie es mir geht und was ich grade gebrauchen könnte).
4. Ich kümmere mich um mich selbst – ich achte sehr darauf, ob ich genug Schlaf habe, ausgewogenes Essen zu mir nehme, mich mit ausgewählten Menschen umgebe, die mir vor allem Kraft und Energie geben.
Hier noch ein paar Ideen, die ich auf Instagram zugeschickt bekommen habe:
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Anwendung der ätherischen Öle.
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Singen, tanzen und Dehnübungen.
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Leckeres Essen kochen.
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Meditieren.
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Beten
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Ein Tagesablauf.
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Yoga.
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Ruhe für Erholung.
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Lachen.
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Malen, Kritzeln, Ausmalen.
Ich wünsche dir in dieser ungewöhnlichen Zeit viel Stärke und gleichzeitig einen Raum, der dich durch deine Unsicherheiten und Sorgen tragen kann.
Natalia